Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen im Alltag

Die Schulter ist ein komplexer Bewegungsapparat, dessen Beweglichkeit so ausgeprägt ist, wie bei keinem anderen Gelenk des Körpers.
Ihre größte Stärke ist jedoch gleichzeitig ihre wohl augenscheinlichste Schwäche: Die filigrane Konstruktion macht sie anfällig für Beweglichkeitseinschränkungen und enormen Schmerzen.
Auswirkungen haben derartige Einschränkungen nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden, auch alltägliche Tätigkeiten wie das Anziehen einer Jacke oder das Heben von Sachen werden zu einer großen Hürde.

Die Ursachen für Schulterschmerzen

Anders als etwa bei dem Hüftgelenk, wo eine tiefe Gelenkpfanne den Gelenkkopf aufnimmt und stabilisiert, sind es bei der Schulter Muskeln, Sehen und Bänder, die den Kopf des Oberarmknochens in der richtigen Position halten. Oftmals sind es genau diese Bereiche, die den Schulterschmerz auslösen, während das Schultergelenk selbst unversehrt ist.

Für das Ergründen der Ursache ist zunächst maßgeblich, ob es sich um akute oder chronische Schulterschmerzen handelt. Akute Schmerzen sind das Resultat eines Sturzes oder eines Unfalls, der beispielsweise eine ausgekugelte Schulter, einen Bruch des Oberarms oder eine Verletzung der Bizepssehne mit sich führte.
Chronische Schulterschmerzen hingegen entwickeln sich schleichend über einen längeren Zeitraum und werden häufig durch Gelenkverschleiß (Arthrose), einen Bandscheibenvorfall oder in der Halswirbelsäule verursacht.

Wie Sie sehen können Schulterschmerzen in vielen Bereichen ihren Ursprung haben. Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht, über die häufigsten Ursachen:

 

1. Ausgekugeltes Schultergelenk

Ein ausgekugeltes Schultergelenk, auch als Schulterluxation bezeichnet, ist oftmals die Folge eines Sturzes auf den (ausgestreckten) Arm oder auch eines Schlages auf die Schulter. Dabei springt der Kopf des Oberarmknochens aus der Gelenkpfanne, wodurch es zu akuten Schmerzen und eine damit einhergehende Unbeweglichkeit der Schulter und Arm kommen kann.

 

2. Bakterielle Schultergelenkentzündung

Eine bakterielle Schultergelenkentzündung (bakterielle Omarthritis), wird, wie der Name es schon vermuten lässt, durch Bakterien verursacht. Dies geschieht entweder durch eine direkte Infizierung, beispielsweise im Rahmen einer Gelenkpunktion (Entnahme von Gelenkflüssigkeit mittels einer Nadel), oder durch den Transport der Bakterien zum Gelenk über das Blut. Die Folge der bakteriellen Schulterentzündung sind heftige und rasch zunehmende Schulterschmerzen und Fieber.

 

3. Blockade in der Halswirbelsäule

Oftmals wird ein Bandscheibenvorfall nur mit Rückenschmerzen in Verbindung gebracht. Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule hat jedoch häufig Beschwerden in Schulter-, Oberarm und Nackenbereich zu Folge. Nicht zwingend muss es sich hier um ein Bandscheibenvorfall handeln, oftmals ist es auch eine Bewegungseinschränkung, die durch zu schwere Tätigkeiten ausgelöst werden.

 

4. Chronische Muskelverspannungen

Die steigende Anzahl von Verspannungen der Nacken-Schulter-Muskulatur geht mit der Anzahl von Berufstätigen einher, die eine sitzende Tätigkeit, etwa im Büro, ausführen. Die anhaltende Beugung des Oberkörpers führt zu Verkrampfungen und Nacken- und Schulterschmerzen, die sogar zu Depressionen führen können.

 

5. Engpass-Syndrom

Das Engpass-Syndrom (Impingement-Syndrom) bezeichnet die Einengung zwischen Schulterdach- und Oberarmknochen, die zu Funktionsstörungen der Schulter führen kann. Durch verschiedene Faktoren wie Verkalkung, Verschleiß aber auch durch einfache Reizung wird der Raum im Schultergelenk so eng, sodass der Kopf des Oberarmknochens an das Schulterdach stößt, in Folge dessen die Sehne im Gelenk eingeklemmt wird. Besonders bei Belastungen entstehen hier starke Schulterschmerzen.

 

6. Entzündung des Schulterschleimbeutels

Die Entzündung des Schulterschleimbeutels (Bursitis) tritt oftmals mit dem Engpass-Syndrom auf. Bewegungseinschränkungen und Schmerzen sind die Folge dieses Beschwerdebildes.

 

7. Gallenkolik

Im Rahmen einer Gallenkolik treten die Schulterschmerzen einseitig auf der rechten Seite auf. Ursächlich dafür sind Reflexreaktionen, die durch Schmerzen im Oberbauch entstehen.

 

8. Gelenkabnutzung

Die Schultergelenksarthrose beschreibt die Abnutzung der Knorpelschicht an den Gelenkflächen. Dafür ursächlich sind u.a. Durchblutungsstörungen am Oberamkkopf, altersbedingter Verschleiß aber auch häufiges Auskugeln der Schulter. Beschwerden treten vor allem beim Anheben des Armes auf Schulterhöhe oder bei Außendehnung des Armes auf.

 

9. Gelenkeinblutung

Die Folge einer Gelenkeinblutung ist die eingeschränkte Beweglichkeit im Bereich des Schultergelenkes und des Arms. Ursächlich hierfür können externe Einwirkungen wie ein Sturz oder ein Schlag auf die Schulter oder den ausgestreckten Arm sein. Besonders Menschen mit Blutgerinnungsstörungen leiden unter den Folgen der Gelenkeinblutung.

 

10. Gürtelrose

Die Gürtelrose ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild. Da sie sich meist gürtelförmig vom Rumpf von der Wirbelsäule nach vorne zieht, sind oftmals starke Rückenschmerzen die Folge. Nicht selten empfangen wir jedoch Patienten, bei denen sich die Schmerzen bis in die Schulter auswirken.
Der schmerzhafte Hautausschlag wird vom so genannten Varielle-Zoster-Virus verursacht, der auch Auslöser von Windpocken ist.

 

11. Herzinfarkt

Vorab: Sollte der Verdacht eines Herzinfarktes bestehen, so ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich. Symptome eines Herzinfarktes sind plötzlich auftretende Schmerzen hinter dem Brustbein und einseitig in der linken Schulter. Dazu auftretende Atemnot und ein Engegefühl in der Brust sind weitere Indizien. Diese Beschwerden können auch die Folge von Panikattacken oder einer Brustenge (Angina pectoris) sein, dennoch sollte ein Arztbesuch in diesem Fall die erste Wahl sein!

 

12. Kalkschulter

Eine Kalkschulter (Tendinosis calcerea) entsteht meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr und tritt vor allem bei Überkopfbewegungen auf. Hierfür ursächlich sind Kalkkristalle, die sich an den Sehnenansätzen der Ratatorenmanschette absetzen.

 

13. Karpaltunnelsyndrom

Meist sind es Frauen mittleren Alters, die unter den Folgen eines Karpaltunnelsyndroms leiden. Zunächst auftretendes Kribbeln und Taubheitsgefühle in den ersten drei Fingen können im weiteren Verlauf zu Schmerzen führen, die durch eine Nervenschädigung des mittleren Armnerven entstehen. Der Karpaltunnel ist ein enger Durchgang am Handgelenk. Aus diesem Grund treten die Schmerzen zunächst in der Hand und im Unterarm auf, können aber bis in die Schulter ausstrahlen.

 

14. Lungententumor

Eine besonders seltene Art des Lungentumors ist der so genannte Pancoast-Tumor. Er entwickelt sich an der Lungenspitze und kann neben Rückenschmerzen auch Schulterschmerzen verursachen.

 

15. Neuroborreliose

Die Neuroborreliose kann durch Bakterien ausgelöst werden, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden. Da die Erkrankung auch auf das Nervensystem übergreifen kann, entwickeln sich in Folge dessen nicht selten Schulterschmerzen

 

16. Oberarm – und Schlüsselbeinbruch

Brüche, die in Folge eines Sturzes auf den Arm oder den Ellenbogen entstehen, können zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in der Schulter führen.

 

17. Polymyalgia rheumatica (PMR)

Die PMR hat ein weit reichendes Beschwerdebild. Sie kann ursächlich für Schmerzen im Bereich der Schulter sein, aber auch für Beschwerden im Bereich des Nackens, des Gesäßes und in den Oberschenkeln. Sie beschreibt eine entzündlich-rheumatische Erkrankung mit einhergehenden Muskelschmerzen und tritt zumeist bei Frauen ab dem 60. Lebensjahr auf.

 

18. Riss der Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette hält den Oberarmkopf in der Schultergelenkpfanne und kann als ein kräftiger Mantel aus Muskel und Sehnen beschrieben werden. Schädigungen in diesem Bereich, durch Risse oder Anrisse der Sehnen, haben plötzliche Schulterschmerzen zur Folge.

 

19. Schulter-Arm-Syndrom

Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule, des Nackens und der Schulter können auch die Folge eines Schulter-Arm-Syndroms (Zervikobrachialsyndrom) sein. Oftmals strahlen die Schmerzen bis in den Arm, in die Hände, die Finger aber auch in den Hinterkopf aus, aufgrund dessen der Betroffene seinen Kopf nur eingeschränkt bewegen kann. Da die Ursachen des Schulter-Arm-Syndroms sehr unterschiedlich sind, ist eine genaue Untersuchung des Patienten erforderlich.

 

20. Schultergürtel-Kompressionssyndrom

Das Schultergürtel-Kompresionssyndrom hat Kribbeln, Taubheitsgefühle aber auch Schmerzen zur Folge. Es entsteht durch eine Einengung des zum Arm führenden Blutgefäß-Nerven-Stranges.

 

21. Schultersteife

Die Schultersteife tritt vor allem bei Frauen zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr, als auch bei Diabetikern auf. Es beschreibt die Schrumpfung der Schultergelenkkapsel, die zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der Schulter führt. Daher wird das Krankeheitsbild auch als „frozen shoulder“ (Einfrieren der Schulter) bezeichnet. Die Schultersteife entwickelt sich über einen längeren Zeitraum (1-3 Jahre) und ist die Folge einer vorangegangenen Schulterverletzung.

Therapien gegen Schulterschmerzen

Vorab: In einigen Fällen sollte dringend ein Arzt alarmiert werden. Eine Therapie kann erst dann erfolgen, wenn entsprechende Krankheitsbilder nicht bestätigt werden:

Plötzlich auftretende Schulterschmerzen und Brustschmerzen
(Verdacht auf Lungenembolie)

Plötzlich auftretende  Schulterschmerzen auf der linken Seite, Schmerzen hinter dem Brustbein sowie Atemnot
(Verdacht auf Herzinfakrt oder Angina pectoris)

Starke Schmerzen im rechten Oberbauch und der rechten Schulter, einhergehend mit Fieber und Schüttelfrost
(Verdacht auf Gallenblasenentzündung)

Starke, wellenförmige Schmerzen in der rechten Schulter und im rechten Oberbauch, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen
(Verdacht auf Gallenkolik)

 

Unser Ziel ist die langfristige Beschwerdefreiheit, daher behandeln wir in unserer Heilpraxis in Warendorf nicht nur die Symptome, sondern setzen unmittelbar an der Ursache an.

 

Aufgrund der Vielzahl verschiedenster Ursachen ist eine genaue Diagnose bei Schulterproblemen von großer Bedeutung. Diese bildet die Säule der darauf folgenden Therapie. Die Diagnose beinhaltet neben dem Gespräch eine gründliche körperliche Untersuchung, in der der Körperbau des Patienten im Ganzen und Muskeln und Sehnen im Detail betrachtet werden.

Es folgen Tests hinsichtlich der Beweglichkeit, der Stabilität, der Kraft und der Schmerzanfälligkeit – alles in Abhängigkeit vorangegangener Ergebnisse.
Sollte auch dann noch keine Diagnose feststehen, so können weitere Techniken, wie beispielsweise eine Magnetresonanztomografie (MRT), weiterhelfen.

Ist die Ursache gefunden, so folgt die Therapie zur Behandlung der Schulterschmerzen. Die Intensität der Behandlung hängt von der vorangegangenen Diagnose ab. Die Eingriffsmöglichkeiten im Bereich der konservativen Therapie sind so vielfältig, sodass eine OP oftmals nicht erforderlich ist.

Bekämpfen entzündungshemmende Schmerzmittel und Physiotherapie die Ursache nicht aktiv, so können physikalische Therapien wie Elektro- Stoßwellentherapien oder Kälteanwendungen angewandt werden. Je nach Krankheitsbild, werden auch andere Methoden, wie beispielsweise eine Injektionstherapie, eingesetzt.

Wie Sie sehen, ist die Schulter ein Bewegungsapparat, dessen filigraner und komplexer Aufbau sehr Beschwerdeanfällig ist. Für eine gezielte Therapie ist eine genaue Untersuchung deshalb unerlässlich.

Quellen:
1. https://www.kaia-health.com/magazine/de/rueckenbehandlungen/operation/
2. https://www.apotheken-umschau.de/Rueckenschmerzen/Rueckenschmerzen-Was-wirklich-hilft-489513.html
3. https://www.onmeda.de/krankheiten/rueckenschmerzen.html
4. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_FC_Rueckenoperationen_Studie_dt_final.pdf
5. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/ruecken/therapie/tid-24925/rueckenschmerzen-85-prozent-der-ruecken-ops-sind-ueberfluessig_aid_709750.html