Rückenschmerzen - die Volkskrankheit Nr. 1

Rückenschmerzen zählen mit zu den häufigsten Beschwerden der Deutschen.
Gelegentliche Schmerzen hat fast jeder – oftmals sind sie harmlos und verschwinden oft nach wenigen Tagen ohne Behandlung.

Der Anteil an chronischen und starke Rückenschmerzen nimmt jedoch stetig zu, so sind etwa 22 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer davon betroffen.

Dabei treten Beschwerden im unteren Rücken weitaus häufiger auf als im mittleren oder oberen Rücken. In der Fachsprache bezeichnet man diese Art von Rückenschmerzen auch Lendenwirbelsäulensyndrome (LWS-Syndrome), nach den fünf Wirbeln im unteren Bereich des Rückens (Lendenwirbel). Beschwerden dieser Art sind in der Regel nur durch nachhaltige Therapien kompensierbar.

Die Ursachen für Rückenschmerzen

Obwohl etwa 62 Prozent aller Rückenschmerzen im unteren Rücken, im Bereich der Lendenwirbelsäule, entstehen, sind die Ursachen so vielfältig wie in kaum einem anderen Beschwerdebild.
Häufig stößt man an dieser Stelle auf Ausführungen hinsichtlich etwaiger Bewegungsmangel bis hin zu psychischen Auslösern wie Stress.

Um Ihnen die Vielzahl der unterschiedlichen Ursachen zu verdeutlichen, erhalten Sie im Folgenden einen Auszug solcher Auslöser, die bei der Entstehung der Rückenschmerzen eine Rolle spielen könnten:

• Bewegungsmangel bzw. schwache Rücken- und Bauchmuskulatur
• Zugluft
• Übergewicht
• Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule
• Arthrose (Gelenkverschleiß)
• Osteoporose (Knochenschwund)
• Schleudertrauma nach Verkehrsunfall
• Bandscheibenvorfall
• eingeklemmter Nerv
• Wirbelkörperbruch
• Wirbelkörperverschiebung
• Wirbelkörperentzündung (Spondylitis)
• Bandscheibenentzündung (Diszitis)
• Abriss einer Nervenwurzel
• Versteifung der Brust- und Lendenwirbelsäule (z.B. bei Morbus Bechterew)
• Neurinom (gutartiger Nervenfasertumor)
• Meningeom (Tumor der Nervenscheide)
• Tumoren der Wirbelkörper außerhalb des Rückenmarks
• Metastasen (Tochtergeschwülste) eines Rückenmarktumors
• Nervenentzündung bei Diabetikern
• Entmarkungskrankheit (funikuläre Myelose)
• Erkrankung des Nervensystems bei fortgeschrittener Borreliose (Neuroborreliose)
• Neurolues (Neurosyphilis, Verlaufsform einer unbehandelten oder nicht ausgeheilten Syphilis)
• Veränderungen der Wirbelsäule im Bereich Lendenwirbel/Kreuzbein (lumbosakrale Spondylose)
• Einengung des Rückenmarkkanals im Bereich Lendenwirbel/Kreuzbein (lumbosakrale Stenose)
• Verengung eines Nervenaustrittspunkts
• Knochenverdickungen (Morbus Paget)
• krankhafte Erweiterung der Schlagader (Aortenaneurysma)
• Durchblutungsstörungen im Rückenmark (Arteria-spinalis-anterior-Syndrom)
• Alkohol-, Opiat- oder Schmerzmittelentzug

Darüber hinaus können anderweitige körperliche Veränderungen oder Erkrankungen, die nicht unmittelbar ihre Ursachen in der Rückenmuskulatur oder Wirbelsäule haben, in den Rücken ausstrahlen. So zum Beispiel Nierensteine, Regelschmerzen, Endometriose oder auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Therapien gegen Rückenschmerzen

Wie Sie sehen ist eine Eingrenzung der Ursachen für eine wirksame Behandlung bzw. Therapie unabdingbar. Erst nach einer genauen Diagnose kann der Therapeut Maßnahmen treffen um Rückenschmerzen nachhaltig zu kompensieren oder im besten Fall sogar heilen zu können.

MRT- oder Röntgenaufnahmen sind oftmals gar nicht nötig

Bei unspezifischen Schmerzen ist eine genaue Untersuchung durch MRT- oder Röntgenaufnahmen oftmals gar nicht erforderlich – vielmehr rät die ärztliche Leitlinie sogar ausdrücklich davon ab, sofern es keine konkreten Hinweise auf eine aktuele und lokale Schädigung gibt.
Hintergrund ist der, dass nicht selten gewöhnliche Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule als Ursache für die Rückenschmerzen erklärt werden, tatsächlich aber gar nicht der Auslöser der Beschwerden sind. Umgekehrt können akute Rückenschmerzen auch bei völlig unversehrter Wirbelsäule auftreten.

Nicht selten mündet diese Art der Diagnose in eine „Übertherapie“, die oftmals sogar eine Operation beinhaltet.
In Deutschland hat die Anzahl von Operationen an der Wirbelsäule stark zugenommen – im Zeitraum von 2007 bis 2015 stieg sie um 71%. Ob diese Art der Behandlungsform tatsächlich auf eine gesundheitliche  Rechtfertigungsgrundlage beruht oder nicht auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen, wird aufgrund der Zahlen intensiv diskutiert. [x]

Unser Rat an Sie: Versuchen Sie sich bereits im Vorfeld der Untersuchung Informationen aus zuverlässigen Quellen zu verschaffen. Im besten Fall sollten Sie zunächst mit weniger schweren Behandlungsmethoden beginnen, bevor solch schwere Eingriffe wie Operationen vorgenommen werden.
Sollten die üblichen Hausmittel wie Wärme oder Bewegung keinen Erfolg versprechen, so könnte womöglich die manuelle Therapie in Form der Chiropraktik bereits Abhilfe schaffen.

Kurzfristige Hilfsmittel wie Schmerztabletten können eingesetzt werden um akute Schmerzen lindern zu lassen, sollten aber keines Falls über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Ziel sollte es vielmehr sein die eigentliche Schmerzursache zu beseitigen.

Quellen:
1. https://www.kaia-health.com/magazine/de/rueckenbehandlungen/operation/
2. https://www.apotheken-umschau.de/Rueckenschmerzen/Rueckenschmerzen-Was-wirklich-hilft-489513.html
3. https://www.onmeda.de/krankheiten/rueckenschmerzen.html
4. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_FC_Rueckenoperationen_Studie_dt_final.pdf
5. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/ruecken/therapie/tid-24925/rueckenschmerzen-85-prozent-der-ruecken-ops-sind-ueberfluessig_aid_709750.html